Der Prozess gegen den ehemaligen Serbenführer Radovan Karadzic wird fortgesetzt. Der wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschheit und Kriegsverbrechen in 11 Fällen angeklagte Karadzic verteidigt sich selbt. Im Oktober 2009 hatte er den Prozess durch Nichterscheinen boykottiert und mehr Vorbereitungszeit gefordert.
Um weiteren Verzögerungen durch Karadzic vorzubeugen, hat das UN-Tribunal in Den Haag einen Pflichtverteidiger bestimmt, der einspringen wird, wenn Karadzic den Verhandlungen erneut fern bleiben sollte.
Karadzic plädiert in allen Anklagepunkten auf unschuldig. Seine Verteidigung beruht auf der Behauptung, die bosnischen Serben seien eine bedrohte Minderheit, die im Bosnien-Krieg in Notwehr gehandelt und sich vor Übergriffen Bosnischer Moslems verteidigt habe. Zudem behauptet er für seinen Rückzug aus der Politik seien ihm 1996 seitens des US-Unterhändlers Richard Holbrooke Immunität und Straffreiheit zugesichert worden. Holbrooke streitet dies ab.
Im Falle einer Verurteilung droht Karadzic eine lebenslange Haftstrafe. Sein wiederholtes Fernbleiben vom Prozess gilt als Teil einer bewussten Verzögerungsstrategie. Im Februar 2014 muss das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag schließen. Der Angeklagte hofft, das Prozessende bis dahin aufschieben zu könne. Juristen halten eine Prozessdauer von mehr als drei Jahren für sehr wahrscheinlich. Die Befragung der mehr als 400 Zeugen, die Karadzics Kriegsverbrechen vor Gericht bestätigen sollen, wird viel Zeit in Anspruch nehmen.
Wird Karadzics Prozess vor Februar 2014 abgeschlossens ein?